Kurz zusammengefasst:
  • 23 Prozent der jungen Menschen zwischen 14 und 29 Jahren haben laut der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026" Schulden – ein neuer Höchststand.
  • Bei den 18- bis 25-Jährigen musste laut SCHUFA jeder Vierte bereits Zahlungen aussetzen, 45 Prozent verzögerten Rechnungen, 36 Prozent überzogen ihr Konto.
  • Buy-now-pay-later-Angebote gelten als einer der Haupttreiber der steigenden Verschuldung.
  • Nur 34 Prozent der jungen Menschen beschäftigen sich regelmäßig mit ihrer Finanzplanung.

Die Ausgangslage: Verschuldung auf einem neuen Höchststand

Wer glaubt, Schulden seien vor allem ein Problem der mittleren Generation, irrt sich. Die aktuelle Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026", eine repräsentative Befragung von gut 2.000 jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren, zeigt: Der Anteil derjenigen mit Schulden liegt inzwischen bei 23 Prozent. Das ist der höchste je gemessene Wert in dieser Reihe. Auffällig ist dabei, dass es sich schon im zweiten Jahr in Folge um einen Anstieg handelt – die Entwicklung ist also kein einmaliger Ausreißer, sondern ein Trend.

Parallel dazu zeichnet die SCHUFA in ihrem Jugend-Finanzmonitor ein ähnliches Bild. Bei den 18- bis 25-Jährigen musste in den vergangenen zwölf Monaten jeder Vierte mindestens einmal eine Zahlung aussetzen, weil das Geld schlicht nicht reichte. 45 Prozent gaben an, Rechnungen bewusst verzögert zu haben. Und 36 Prozent haben ihr Girokonto überzogen – teilweise wiederholt.

Balkendiagramm: Anteil der 18- bis 25-Jährigen mit finanziellen Problemen in Deutschland
Finanzielle Probleme bei 18- bis 25-Jährigen in Deutschland. Quelle: SCHUFA Jugend-Finanzmonitor.

Warum geraten gerade junge Erwachsene in die Schuldenfalle?

Die Gründe sind vielschichtig, aber ein paar Muster tauchen in fast jeder Untersuchung wieder auf. Erstens: steigende Lebenshaltungskosten treffen auf Einstiegsgehälter, Ausbildungsvergütungen oder BAföG-Sätze, die kaum mit der Inflation Schritt halten. Zweitens: der erste eigene Haushalt bringt viele Fixkosten auf einmal – Kaution, Erstausstattung, laufende Miete – ohne dass gleichzeitig ein finanzielles Polster existiert.

Drittens, und das ist vermutlich der auffälligste neue Faktor: Buy-now-pay-later-Angebote (BNPL). Sie erlauben es, ein Produkt sofort zu erhalten, während die Zahlung auf später verschoben oder in mehrere Raten aufgeteilt wird. Was auf den ersten Blick wie eine bequeme Zwischenfinanzierung wirkt, führt in der Praxis oft dazu, dass mehrere kleine Ratenverpflichtungen parallel laufen – und der Überblick verloren geht. Die Politik hat das Problem inzwischen erkannt: Ab November 2026 sollen neue Regeln greifen, wonach bereits bei kleinen Beträgen unter 200 Euro eine Bonitätsprüfung erfolgen muss.

Tipp: Wenn du merkst, dass du mehrere BNPL-Raten gleichzeitig laufen hast, liste sie einmal komplett auf einem Blatt Papier auf – mit Betrag und Fälligkeitsdatum. Der Überblick allein nimmt oft schon die Hälfte des Drucks.

Das Problem hinter dem Problem: fehlende Finanzbildung

Ein zentraler Faktor wird in den Studien immer wieder genannt: die eigene finanzielle Kompetenz. Im SCHUFA Jugend-Finanzmonitor 2024 gaben sich 37 Prozent der befragten jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren nur eine Drei für ihre finanzielle Bildung. Weitere 34 Prozent vergaben sogar die Note vier oder schlechter. In der Schule kommt das Thema Geld bis heute meist zu kurz – Steuererklärung, Zinsrechnung oder der Unterschied zwischen Dispo und Ratenkredit sind selten fester Bestandteil des Lehrplans.

Gleichzeitig zeigt die aktuelle Jugendstudie, dass nur etwa ein Drittel (34 Prozent) der Jugendlichen und jungen Erwachsenen angibt, sich regelmäßig mit der eigenen Finanzplanung zu beschäftigen. Das Interesse an Geldthemen ist also durchaus vorhanden, es fehlt eher an konkretem Handwerkszeug und an verständlichen, alltagstauglichen Informationen.

Der schnelle Budget-Check: So findest du heraus, wo du stehst

Bevor du irgendetwas änderst, brauchst du eine ehrliche Bestandsaufnahme. Das klingt banal, wird aber von den wenigsten konsequent gemacht.

  1. Alle Fixkosten auflisten: Miete, Strom, Handyvertrag, Versicherungen, Abos – am besten anhand der letzten drei Kontoauszüge.
  2. Variable Ausgaben tracken: Eine Woche lang jeden Kaffee, jede Bestellung und jeden Impulskauf notieren. Danach ehrlich hochrechnen auf den Monat.
  3. Einnahmen gegenrechnen: Gehalt, BAföG, Nebenjob – alles zusammenzählen, netto.
  4. Die 50-30-20-Faustregel prüfen: 50 Prozent für Fixkosten, 30 Prozent für Wünsche, 20 Prozent für Sparen und Puffer. Wo weicht dein Budget stark davon ab?
  5. Laufende Raten und BNPL-Verpflichtungen zusammenfassen: Eine einzige Liste mit allen offenen Zahlungen schafft Klarheit.
  6. Einen realistischen Puffer definieren: Schon 50 Euro monatlich auf ein separates Konto verhindern viele Dispo-Situationen.

Dispo, Ratenkredit oder BNPL: Ein Überblick

FinanzierungsformTypische KostenRisiko für den Überblick
DispokreditOft zweistellige Zinsen p.a.Mittel – klar sichtbar auf dem Kontoauszug
Buy-now-pay-laterMeist zinsfrei bei pünktlicher Zahlung, sonst MahngebührenHoch – mehrere Anbieter parallel schwer zu überblicken
Klassischer RatenkreditFeste, planbare ZinsenNiedrig – ein klarer Zahlungsplan
KreditkartenverfügungsrahmenVariabel, teils hoch bei TeilzahlungMittel bis hoch, abhängig vom Nutzungsverhalten
Gut zu wissen: Die neue Bonitätsprüfungspflicht ab November 2026 für BNPL-Beträge unter 200 Euro soll verhindern, dass sich mehrere kleine Käufe unbemerkt zu einer echten Schuldenlast summieren. Verbraucherschützer bewerten das als überfälligen Schritt.

Wege aus der Spirale: Was wirklich hilft

Wer bereits mitten in mehreren offenen Zahlungen steckt, sollte nicht warten, bis Mahnungen eintrudeln. Der erste Schritt ist immer die Kontaktaufnahme mit den Gläubigern – die meisten Anbieter sind zu Ratenvereinbarungen bereit, wenn man aktiv auf sie zugeht statt zu schweigen. Kostenlose und unabhängige Unterstützung bieten die Schuldnerberatungsstellen der Verbraucherzentralen, die es in praktisch jeder größeren Stadt gibt.

Langfristig hilft vor allem eines: ein Grundverständnis dafür aufzubauen, wie Zinsen, Mahngebühren und Ratenzahlungen tatsächlich funktionieren. Das muss keine trockene Vorlesung sein – es reicht, sich einmal ernsthaft mit den eigenen Verträgen auseinanderzusetzen, statt Bedingungen ungelesen zu akzeptieren.

Quellen

  • SCHUFA: Jugend-Finanzmonitor, schufa.de
  • Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026", jugend-in.de
  • fink.hamburg: Bericht zur steigenden Jugendverschuldung, fink.hamburg

Häufig gestellte Fragen

Wie viele junge Menschen in Deutschland haben Schulden?

Laut der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026" liegt der Anteil junger Menschen zwischen 14 und 29 Jahren mit Schulden bei 23 Prozent – ein neuer Höchststand.

Was sind die häufigsten Ursachen für Verschuldung bei jungen Erwachsenen?

Hohe Lebenshaltungskosten, der erste eigene Haushalt und vor allem Buy-now-pay-later-Angebote gelten als zentrale Treiber der steigenden Verschuldung.

Was ist Buy-now-pay-later und warum ist es riskant?

BNPL erlaubt den sofortigen Kauf bei späterer oder gestückelter Zahlung. Da mehrere Anbieter parallel genutzt werden können, geht schnell der Überblick über offene Verpflichtungen verloren.

Wie schätzen junge Menschen ihre eigene finanzielle Bildung ein?

Im SCHUFA Jugend-Finanzmonitor gaben sich 37 Prozent der 16- bis 24-Jährigen nur die Note drei, weitere 34 Prozent Note vier oder schlechter für ihre finanzielle Bildung.

Welche Regel ändert sich 2026 bei Buy-now-pay-later?

Ab November 2026 muss bereits bei Beträgen unter 200 Euro eine Bonitätsprüfung erfolgen, um Verbraucher besser vor Überschuldung zu schützen.

Was ist die 50-30-20-Regel?

Sie teilt das monatliche Nettoeinkommen auf: 50 Prozent für Fixkosten, 30 Prozent für Wünsche, 20 Prozent für Sparen und Puffer.

Wo bekomme ich kostenlose Hilfe bei Schulden?

Die Schuldnerberatungsstellen der Verbraucherzentralen bieten in nahezu jeder größeren Stadt kostenlose und unabhängige Beratung an.

Unsere Empfehlung: Wenn du gerade dabei bist, deine erste eigene Kreditkarte zu wählen, lohnt sich vorher ein Blick auf unseren ultimativen Anfänger-Guide zur ersten Kreditkarte. Wer besonders auf niedrige laufende Kosten achten will, findet Orientierung in unserem großen Vergleich kostenloser Kreditkarten ohne Jahresgebühr. Und falls du dich noch zwischen den großen Anbietern entscheidest, hilft dir unser ehrlicher Vergleich für junge Menschen weiter.